Die Karteikarte im Jura-Studium – eine eierlegende Wollmilchsau?

Sie ist wohl eines der probatesten und beliebtesten Lernhilfsmittel für Jurastudierende: die "heilige Karteikarte". Mit ihrer Hilfe können Probleme eines ganzen Rechtsgebiets für die anstehende Abschlussklausur nochmal innerhalb kürzester Zeit in das Kurzzeitgedächtnis verfrachtet werden, Schemata zu Klagearten finden nach mehrmaligem Wiederholen ihren Weg in das studentische Hirn und in ohnehin langweiligen Situationen, wie einer längeren Zugfahrt, kann die Zeit so sinnvoll zum Lernen genutzt werden. Das alles sind (mehr oder minder) gute Gründe, warum die Karteikarte der absolute Dauerbrenner unter den Lernmethoden in Jura ist.

Karteikarten für das Jura-Studium

1. Sinn und Zweck: Wofür kann ich sie nutzen?

Vorweg: Karteikarten sind mitnichten der richtige Weg, wenn ihr euch völlig neue Gebiete und Problemstellungen erst noch erarbeiten müsst. Sie kann erst dann richtig zum Einsatz kommen, wenn der Lernstoff bereits durchdrungen wurde und dann nur noch wiederholt und gefestigt werden soll. Das ist auch durch ihre Platzknappheit bedingt (hierzu später mehr). Dann aber ist sie ein fast unabdingbares Mittel, das erlernte Wissen auch zu behalten

2. Wiederholsystem: Digital oder analog?

Während manche noch auf die magische Lernwirkung des tatsächlichen Schreibens schwören, haben andere Studenten quasi bereits ihre gesamten Lernunterlagen digitalisiert. Hier kommt es auf eure persönliche Präferenz an. Die Vorteile eines digitalen Karteikartenprogramms sehe ich jedoch insbesondere in der leichteren Wiederholbarkeit, der schnellen Möglichkeit der Überarbeitung, der Mobilität und der Schonung für die oft eh schon überstrapazierte Hand. Wenn ihr mehr über solche Programme wissen wollt, lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

3. Fehlerquellen: Wie schreibe ich die Karteikarte richtig?

Nun zur Quintessenz: welche Fehler können sich beim Anfertigen der eigenen Karteikarten alle einschleichen? Und – noch wichtiger – wie macht man es besser? Dies versuche ich euch am Beispiel des Problems „Aufschwungexzess“ zu erläutern. Die finale Karteikarte soll kein Muster für die perfekte Problemdarstellung sein, vielmehr geht es um die grobe Vorgehensweise.

Problem 1: Die Titelseite

Ja, leider kann sich bereits auf der Vorderseite eurer Karteikarte ein Fehler einschleichen. Nämlich die Vorwegnahme des „Stichwortes“. Trainiert euer Gehirn darauf, dass ihm beim Erfassen bestimmter Sachverhalte eine kleine Glühbirne mit dem jeweiligen „Stichwort“ aufgeht. Wenn auf den Karteikarten jedoch schon auf der Titelseite der Clou des Problems vorweggenommen wird, ist schon ein Teil des Lerneffekts dahin.

Falsch:Falsche Titelseite einer Jura-Karteikarte

(-) So bleibt der Sachverhalt außer Betracht, bei welchem es im Examen „Klick“ machen soll.

Richtig:Richtiger Titel einer Jura-Karteikarte

(+) Die Situation, in welcher die Problematik des Aufschwungexzesses relevant wird, wird so gleich mitgelernt.

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Problem 2: Zu konkret

Fertigt man die Karteikarten gleich nach dem Lösen konkreter Fälle aus Büchern deines Jura-Studiums oder Repetitoriumsunterlagen an, kann es leicht passieren, dass diese nicht abstrakt, sondern konkret auf den gerade gelernten Sachverhalt zugeschnitten werden. So kann der Inhalt der Karteikarte aber nach mehreren Monaten aber oft nicht mehr nachvollzogen werden.

Falsch:Falscher Problemaufriss in einer Karteikarte für Jurastudenten

(-) Nach vielen Wochen und Monaten der Examensvorbereitung werdet ihr euch beim Lesen der Karteikarte nur noch denken: „Wer war denn jetzt nochmal B? Und wem gehört überhaupt das Fahrrad?“.

Richtig:Richtiger Problemaufriss in einer Karteikarte für Jura-Studenten

(+) Die Problemdarstellung erfolgt abstrakt, sodass die Karteikarte allgemeingültig bleibt und auf jeden möglichen Fall anwendbar ist.

Problem 3: Ansichten

Dieser Tipp gilt vorausschauend für die Zukunft. Denn im Ersten Staatsexamen kann man bei mehreren möglichen Streitentscheiden grundsätzlich problemlos den einen oder den anderen Weg einschlagen. Im Zweiten Staatsexamen jedoch heißt es „Immer dem BGH nach!“.

Falsch:Falsche Streitdarstellung auf einer Jura-Karteikarte

(-) Die Ansichten können so nicht klar zugeordnet werden. Auch im Ersten Staatsexamen kann es bei manchen Korrektoren einen guten Eindruck hinterlassen, wenn man im Rahmen der Problem- und Streitdarstellung auch die jeweiligen Vertreter nennen kann.

Richtig:Juristische Karte mit richtiger Ansicht

(+) So wisst ihr sofort, welche der Ansichten beim BGH in Karlsruhe zuhause ist.

Problem 4: Ausführlichkeit der Karteikarten

Eine Karteikarte ist nicht der Ort zum Schwadronieren. Da sie erst zum Einsatz kommt, sobald der juristische Lernstoff schon einigermaßen sitzt, sollte die Problem- und Streitdarstellung auch in aller gebotenen Kürze erfolgen.

Falsch:Zu ausführliche Karteikarte

(-) So wird euch schnell der Platz auf den Karteikarten ausgehen. Zudem ist zum Wiederholen eine stichpunktartige Darstellung effizienter.

Richtig:Richtige Ausführlichkeit auf einer Karteikarte

(+) Alle relevanten Gesichtspunkte werden kurz angerissen. So kann das eigene Wissen schnell und gut überprüft werden.

To be continued: In den nächsten Wochen folgen hier weitere gute Tipps zum Schreiben von Karteikarten!

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Julia schreibt für campushelfer.de

Hier schreibt Julia

Julia hat im Frühjahr 2018 ihre Erste Juristische Staatsprüfung in Nürnberg mit der Note "gut" abgelegt. Sie wird sich nun vor Beginn des Referendariats einer strafrechtlichen Promotion widmen und nebenher ihre Freude am Schreiben und der Wissensvermittlung in unserem campushelfer-Blog ausleben.

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